WortexOt

belOng to yourself

So, denn, 2019. Haben wir’s hinter uns. Du warst in vielerlei Hinsicht ein ernüchterndes Jahr. Viele anfangs so ehrgeizig gesetzte Ziele blieben irgendwo im Treibsand des Lebens stecken. Aber wie heißt es so schön: „So wie du die Welt anschaust, wird sie weinen oder lachen.“ Und so habe ich mich entschieden, den Treibsand des Lebens zu nutzen, um Schwimmen zu lernen.

Things I learned

1) Vereinbarkeit von Familie und Beruf ist keine One-Woman-Show

Viel Zeit hatte ich, um mich mit dem Thema Vereinbarkeit von Familie und Beruf auseinanderzusetzen. Schließlich suchte ich nach Zeitfenstern für mein Business. Während der Elternzeit. Ohne regelmäßige Kinderbetreuung. Was habe ich doch gelacht. Denn obwohl wir glauben, sowas von gleichberechtigt zu sein, zeigten die Artikel, Fakten und Statistiken leider etwas anderes. Ernüchterung machte sich breit, aber auch Erleichterung, denn ich bin nicht die Einzige, die mit dem Spagat zwischen Familie und Beruf so ihre Probleme hat. „Um ein Kind zu erziehen, braucht man ein ganzes Dorf“, heißt es in einem afrikanischen Sprichwort. Und das stimmt. In vielen meist außereuropäischen Gesellschaften ist Kindererziehung nicht nur Sache der „biologischen“ Eltern, sondern die eines weitaus größeren Netzwerks. Nur wir im westeuropäisch-euroamerikanischem Kulturraum haben verlernt, einander um Hilfe zu bitten. Wir denken,

  • wir müssen doch alleine mit allem fertig werden.
  • wir können doch nicht die Großeltern, Tanten, Nachbarn fragen, wo kämen wir denn dahin?

Stolz spielt da eine Rolle, und vermutlich eine falsch verstandene Definition von Selbstbestimmung. Meiner Meinung nach ein Produkt der stark individualisierten Gesellschaften des globalen Westens.

Diese eine Erkenntnis nehme ich jedenfalls mit ins neue Jahr: Den Spagat zwischen Familie und Beruf muss ich nicht alleine schaffen. Ich darf um Unterstützung bitten. Ich muss es sogar, denn anders ist es nicht möglich, den Kindern, dem Partner, dem (Arbeite-)Umfeld und auch sich selbst gerecht zu werden, ohne dass irgendetwas oder irgendjemand auf der Strecke bleibt.

2) Wie du mit Krisen umgehst, entscheidest du

Ich kann nicht behaupten, dass dieses Jahr gar nichts klappte. Denn eines konnte ich anscheinend besonders gut: Projekte an die Wand fahren und gesetzte Ziele nicht zu erreichen. Habe ich mich darüber geärgert? Sicher. Habe ich an mir gezweifelt? Aber klar doch! Habe ich mich davon herunterziehen lassen, mich aufgegeben und schmollend „Nie wieder!“ gefiept? Nope. Natürlich ist es ärgerlich, wenn etwas nicht so läuft wie geplant und das menschliche Naturell ist eher so angelegt, dass wir uns mehr auf das Negative konzentrieren. Damit setzen wir jedoch ein Karussell aus negativen Monsta-Gedanken in Gang, die zu negativen Gefühlen führen.

Allerdings besitzen wir alle eine Superpower-Kraft, mit der wir in der Lage sind, uns aus dem Tief herauszuhelfen. Und die heißt Resilienz.

Resilienz ist deine Widerstandskraft, also deine Fähigkeit, mit Lebenskrisen so umzugehen, dass du am Ende nicht zerbrichst, sondern gestärkt aus ihnen herauskommst.

Es hilft ungemein, wenn du erkennst, dass du nicht deine Gedanken bist, dass du sogar entscheiden kannst, wie du über bestimmte Dinge denkst. Diese Erkenntnis ist Gold wert. Sie macht dich frei. Frei davon, Sklavin deiner Gedanken zu sein. Diese Erkenntnis hilft mir, mit Krisen und Niederlagen einigermaßen gut umzugehen. Ein Schritt zurück treten, Perspektive wechseln, und auf einmal ist aus der Krise eine Chance geworden, um an ihr zu wachsen. Um es beim nächsten Mal besser zu machen.

„Siehst du den Leuchtturm am Horizont?“ Meine Ziele für 2020

Eine Work-Life-Balance für uns finden

Morgens arbeiten, mittags „Tschüss“ sagen, und dann Zeit für Kinder, Partner, Hobbies, kurz, Zeit zum Leben zu haben – wer wünscht sich das nicht? Die Realität sieht vielerorts leider anders aus, auch wenn immer wieder Stimmen laut werden und der 40-Stunden-Woche den Kampf ansagen.

Zwei Stunden. Ich habe nachgerechnet. Zwei! Soviel Zeit verbringt mein Mann aktuell mit seinen Kids unter der Woche. Darin enthalten: Tisch decken, Essen, Hausaufgaben. Mehr schafft er, schaffen wir nicht. Es tut mir in der Seele weh, wie wenig Vaterzeit die Kinder haben, ganz geschweige denn für uns als Paar. Denke ich daran, dass es die nächsten Jahrzehnte so weiter gehen wird, blutet mir das Herz. Und Empörung macht sich breit.

Daher halte ich an meiner Idealvorstellung fest, ein Modell dieser Work-Life-Balance zu finden, in dem wir beide sowohl im Beruf als auch im Haushalt und in der Care-Arbeit nicht zu kurz kommen. Dass dies ein langer und holpriger Weg sein wird, ist mir bewusst, denn auch wenn die Gesellschaft im steten Wandel ist, der Mensch ist ein träges Wesen, das sich vor allzu vielen und zudem solch radikalen Veränderungen eher scheut. Doch dieser Wandel ist längst überfällig. Kinder haben ein Recht darauf, ihre Eltern (beide!) mehr als 2 Stunden täglich zu sehen. Paare haben ein Recht darauf, sich nicht nur beim Abendessen tief in die Augen zu blicken. Und solange dieser Zustand von Gleichberechtigung und einer zumutbaren Worklife-Balance nicht zur Normalität gehört, motze, kritisiere und prangere ich an, zusammen mit anderen mutigen Frauen (hier, hier und hier), im echten Leben und hier im Internetz.

Beruflicher Fokus: Schreiben und Lehren

Dass ich in 2019 noch nicht arbeiten gehen werde, ahnte ich bereits. Dass mir aber sogar die Zeit fehlen wird, um mein Herzensprojekt auf die Beine zu stellen, hat mich doch zeitweise fuchsteufelswild gemacht. So lernte ich aber etwas über mich: Nämlich, dass ich der Typ Mutter bin, der die Bedürfnisse des Kindes (weit) über ihre eigenen stellt.

Ein Lichtblick in meiner Hall of Fail gab’s dann doch noch: Mein Blog ist wieder zum wichtigen Teil meines Lebens geworden. Mit Worten jonglieren, aus ihnen Gedanken zu formen und zu Papier zu bringen, in die Blogosphäre eintauchen hat gut getan. So habe ich sehr viele Frauen kennen gelernt, die im World Wide Web andere Frauen inspirieren, begeistern, anfeuern und in den Hintern treten, um für ihre Herz-Ziele zu kämpfen. Sie haben mich sehr inspiriert, so sehr sogar, dass ich ebenfalls Lust bekommen habe, Teil von diesem Tribe zu werden und euch zu inspirieren.

Also findet ihr in meinem Blog neben Ideen, Gedanken und Geschichten rund um das Thema Frausein zwischen Familie, Beruf und Berufung auch inspirierende Texte zum Thema Kommunikation. Denn Kommunikation ist ziemlich tricky: einerseits ist sie das A und O, wollen sich zwei Individuen gut verstehen, andererseits birgt sie so viele Möglichkeiten für Missverständnisse.

Wie können wir miteinander so reden, dass wir möglichst klar bleiben und dabei niemanden verletzen? Welche Macht haben Worte? Wie funktioniert Kommunikation auf Augenhöhe? Was ist gewaltfreie Kommunikation? Diese und weitere Fragen stehen auf meiner Agenda – und die Antworten darauf werdet ihr hier in der einen oder anderen Form ihren Platz finden.

Mentaler Fokus: Radikale Selbstliebe und Entschleunigung

Entschleunigung. Wir leben in einer viel zu schnellen Welt. Wollen zu viel auf einmal schaffen. In viel zu kurzer Zeit. Kein Wunder, dass Burn Out zur Volkskrankheit Nr.1 geworden ist, dass Sendungen über die „Auswanderer“, die Backpacker und die Nomadenfamilien sich einer solchen Beliebtheit erfreuen. So viele Menschen wollen aus dem Hamsterrad ausssteigen, wollen arbeiten, um zu leben und nicht leben, um zu arbeiten.

Die Stichworte, die mich durch dieses Jahr begleiten sollen:

  • Achtsamkeit
  • „In der Ruhe liegt die Kraft“
  • Slow Living. Sich Zeit nehmen für die Dinge, sie wahrnehmen, sie gebührend wertschätzen
  • die To-Do-Listen kürzen.
  • Öfters mal eine Tasse Kaffee trinken und in den Garten schauen. Und nur das.

„You glow different when you’re not hating, hurting, bitter or messy“, las ich zuletzt bei einer meiner Guru-Mädels.

Gala Darling

Auch dies habe ich mir auf die Fahnen geschrieben: Radikale Selbstliebe. Manchmal ist es verdammt schwer, dieser Stimme im Kopf (innerer Kritiker, Monsta-Gedanken, nenn es wie du willst) Einhalt zu gebieten. Aufstehen, sich vor Augen führen, was man alles ist und tut und kann und geschafft hat und alles andere, was einem nicht gut tut – seien es Menschen, Gedanken oder Glaubenssätze – knallhart und mit einer ordentlichen Portion (radikaler) Selbstliebe und „Lass mich, ich geh schaukeln“-Attitüde platt machen. Denn seien wir mal ehrlich: Es ist noch nie eine Meisterin vom Himmel gefallen und nobody, wirklich nobody ist perfekt. Oder andersrum: Wir sind perfekt genug, denn was Perfektion ist, liegt bekanntlich im Auge des Betrachters. Also mache dir die Welt, wie sie dir gefällt!

Mein Wort für 2020

War noch was? Ach ja, ein Wort wollte ich wählen, eines, das mich durch dieses Jahr begleitet und wie ein Leuchtturm den Weg weist. Die Idee dazu habe ich bei meinen inspirierenden Frauen (Christine von tellyventure, aber auch D’ana Joi) entdeckt und fand sie so wunderbar, dass ich mich gleich daran machte, mir mein Leuchtturm-Wort zu suchen. Und dieses ist es wohl: Ankommen.

Denn darum geht es bei mir in diesem Jahr. Ums Ankommen. In einem sicheren Hafen. In einem Work-Life-Modell, das uns alle beglückt, in einer beruflichen Tätigkeit, die sich nicht nur nach Dienst-nach-Vorschrift anfühlt, an einem Ort, das ich endlich als „mein Zuhause“ bezeichnen kann und in einem Leben, mit dem ich zufrieden bin. Bis neue Pläne sich am Horizont auftun.

Wollt ihr mitmachen? Dann erzählt, welches Wort soll euch durch dieses Jahr begleiten? Ich freue mich auf eure Antworten!

Ähnliche Artikel

2 thoughts on “2019. 2020 – Auf ein Wort

  1. Stark! Never give up. Sehr gut, Powerfrauschwester.
    Bzgl. Kommunikation (is ja ein Gebiet in dem ich hin und wieder noch feile): selbstreflektiert bleiben, Situation stets versuchen auch objektiv zu betrachten. Ganz wichtig: Fehler zugeben, offen darüber reden, weil „nobody’s perfect. Das ist nicht einfach, fühlt sich aber sehr gut an. Und auch: Du-Botschaften vermeiden, stets die Situation aus deiner Sicht schildern, wie empfindest du es? Wie kommt es bei dir an? Was stört dich oder was macht dich zufrieden? Verurteile dein Gegenüber nicht, denn du kannst nie zu 100% wissen, was dieser Mensch durchmacht. Platz schaffen-zwischeneinander-fur eine offene Kommunikation. Du wirst sehen, dass es nie so schlimm wird, wie man es sich vorher ausmalt.
    Du machst dein Ding schon ganz gut. Und es gibt ja bekanntlich nicht Nicht-Lernen. Und immer vorwärts.

    1. Vielen lieben Dank, Schwesterherz, für deine lieben Worte. Ja, die Sache mit der Kommunikation ist das, was uns allen am Schwersten fällt. Aber genau das wird ununterbrochen gebraucht, um weiter zu kommen. Übung macht den Meister. Also Mund auf und los geht’s 😀

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht.