afrika, afrika und keine vielfalt

Afrika. Ein Kontinent von unermesslicher Größe, zweitgrößter nach Asien und drei mal so groß wie Europa. Bewohnt von über einer Milliarde Menschen, die sich zu zig verschiedenen Kulturen/Gesellschaften zugehörig fühlen, die über 2000 unterschiedliche Sprachen ihre Muttersprache nennen.

In Afrika stehen Großstädte mit Wolkenkratzern, Highways und Highlife wie in Nairobi, Johannesburg oder Kairo. In Afrika gibt es aber auch kleinste Dorfgemeinschaften, geprägt von bitterster Armut, Hungersnot und Hirtentum.

Und im Jahr 2019 kennen wir noch immer nur diese eine Seite.

Fragt man einen x-beliebigen Menschen auf der Straße, was verbindest du mit Afrika, so denkt der/diejenige nicht an Städte mit kleinbürgerlichen Familien in Häuschen mit einem Familienauto in der Einfahrt, nicht an einen Vater, der als Bankangestellter/Zahnarzt oder Ingenieur arbeitet, nicht an eine Mutter, die als Unternehmensberaterin, Professorin oder Apothekerin arbeitet, und nicht an Kinder, die in die Schule/auf die Universität gehen und am Nachmittag mal musizieren oder Basketball spielen.

Nein, der Vater, der ist noch immer ein Kleinbauer, Gemüsehändler oder Hirte, die Mutter eine Friseurin, Schneiderin oder Hausfrau, die zahlreichen Kinder froh drum, dass ihre Eltern das Schulgeld aufbringen konnten, um sie wenigstens auf die Grundschule schicken zu können. Das Haus selbstverständlich ein Flickwerk aus Bauschutt und Lehm inmitten eines Slums, zumindest jedoch am Stadtrand mit schlechten Straßen und kaum vorhandener Elektrizität. Und von einem eigenen Auto ganz zu schweigen.

Das Afrikabild des Otto-normal-Menschen ist auch heute noch geprägt von unzähligen Klischees, Halbwahrheiten und schlichtweg falschen Bildern im Kopf.

Da ist doch alles Wüste und Savanne – obwohl, so ne Safari ist ja toll, wilde Tiere, unberührte Natur und so. Ansonsten ständig irgendwo Krieg, und hohe Arbeitslosigkeit. Faul sind sie drüben. Und korrupt sind sie auch noch. Und die Kinder, die armen, denen muss man helfen, wart mal, ich hol ein paar Geldscheine raus, können sich wenigstens eine Schüssel Reis zum Mittag kaufen.

Woher kommt dieses Bild von armen, hilfesuchenden „Afrikanern“?

Selbstverständlich nicht vom eigenen Erleben, kann ja nicht jede_r hinreisen und mit eigenen Augen sehen (obwohl das eigentlich das Beste wäre, aber nicht machbar). Sondern von dem, was die Medien berichten. Diese Berichterstattung ist auch heute noch nicht so differenziert, so vielfältig, wie sie sein könnte, wie sie sein sollte. Es ist besser geworden, das schon, und ab und zu liest man auch ein paar positive Nachrichten und kriegt Einblicke in die vielfältigen Kulturen, die das einzige eint, dass sie auf einem gemeinsamen Teil der Erde leben. Solche differenzierten Einblicke sind aber leider nicht die Regel.

Und das ist ziemlich schade. Und ziemlich katastrophal.

Was also tun, wie dem entgegenwirken, wie die falschen Bilder im Kopf durch richtigere, authentischere ersetzen?

Ich komm nicht umhin, zu denken, dass es an uns Ethnolog_innen liegt, hinauszugehen und die verzerrten Wahrnehmungen geradezurücken. Wir sollten uns mehr in die Öffentlichkeit wagen, mehr Bildungsangebote machen, uns überhaupt mehr zu Wort melden und sagen, wie es tatsächlich ist, dieses riesig große Erdteil: vielfältig und voller guter und schlechter Geschichten, so wie an jedem anderen Ort der Erde auch.

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