WortexOt

belOng to yourself

Sanft streichelt sie ihn, kuschelt sich scheinbar in sich versunken in seine wohlige Wärme ein, leichtes Lächeln umspielt ihre Lippen. Ihr Blick dabei fest auf mich gerichtet.

Genervt lege ich die Strickzeitschrift zurück auf den Ladentisch. Diese Models mit ihren wunderhübschen Pullis, Marke DIY, pah! Versuche, das aufkommende Gefühlskompott aus Bitterkeit, Sehnsucht und mit einer sauren Prise Realitätserkenntnis runter zu schlucken.

Denn mein erstes Mal mit einem DIY-Pulli war leider kein Happy End.

Dabei fing alles so gut an! Irgendwann in meiner Studienzeit übermannen mich meine ersten zarten DIY-Gelüste und ich beschließe, es zu wagen. Einen Pulli zu stricken. Yeah, denke ich, selbst ist die Frau.

„Mach’s dir selbst!“, palaverte es währenddessen von überall her! Die Zeitschriftenregale in Geschäften platzten vor Angeboten: Ob Gartengestaltung, Heimwerken, Basteln oder eben Stricken, für jede kreative Ader war was dabei. Und immer mit dem Tenor: DIY ist ja sowas von viel viel besser, als dieselben Sachen in Geschäften zu kaufen. Also los, dachte ich mir, gib dir ein Ruck. Kreativ sein. Geld sparen. Weltverbesserisch ein Statement setzen gegenüber dem Konsumwahn. Genau dein Ding. Also hopp. Wohoo!

Euphorisch begab ich mich zum nächsten Shop und holte mir eine Strickzeitschrift.

Suche nach dem Richtigen

Schon beim Blättern des ersten Magazins wurd mir leicht schwummrig. Schmetterlinge im Bauch. Gefühl, wie auf rosa Wolken zu schweben.

Pullis, einer schöner als der andere.
All diese Farben!
All diese Muster!
Und wie innig sie an die Körper der – zugegebenermaßen superdünnen- Models aussahen.
Die Pupillen weiteten sich bei jedem schmucken Stück, ein sanfter Schauer wanderte den Rücken herunter. Und horch, ist es etwa dein Puls, der da so laut pocht?

Liebe auf den ersten Blick

Dann sah ich ihn. Meinen Pulli.
Onesize, unebenes naturweißes Garn aus 100% Wolle, hach…
Wie schön du doch bist! Dich muss ich haben. Unbedingt!
Schwelgen in Phantasien.
Vor meinem inneren Auge ploppt ein Bild auf, wie ich allein im Bett sitzend mir mein selbst gestricktes Gold langsam überstreife, mich in ihn tief einkuschele und voll und ganz darin verliere.
So wie all diese Models auf den Titelseiten.

Zartes erstes Anbandeln

Der auserwählte Pulli sah wirklich zum Anbeißen aus. Fast schüchtern glitten meine Finger übers Bild. Das Muster, der Schnitt. Schien alles machbar. Auch für eine Strick-Jungfrau wie mich. Schön kuschelig wird er sein, leger, ein wenig shabby, ein wenig ethno, absolut mein Typ.

Jetzt müssen wir uns nur noch näher kommen. Mein Blick scannt erwartungsvoll das Materialverzeichnis…

Herbe Enttäuschung

Wie schnell sich doch aus einer Liebe auf den ersten Blick ein Grausen auf den zweiten entpuppt! Der vermeintliche Lover sich binnen Sekunden in einen kostspieligen Toy Boy verwandelt!

Für den Pulli meiner Wahl braucht man Wolle im Wert von 300,- Euro. Drei Hundert! Zusätzlich möge man drei Nadelspiele in Größen 4, 5 und 6, eine Stopfnadel und diverse Nähgarne der Firma XY (und nur von der!) besorgen.

Nur um später zu erfahren, dass die Nadel Nr. 5 nach ungefähr drei Reihen bitte gewechselt werden soll. Auf Nimmer-Wiedersehen.

(Eine solche Nadel kostet by the way im Schnitt um die 6 Euro.)

Das jähe Liebes-Aus

Zurück auf dem Boden der Realität. Der Traum vom gestrickten Glück, zerbrochener Scherbenhaufen, noch bevor er richtig beginnen konnte.

Denn – welch bittere Erkenntnis- auch das augenscheinlich alternative DIY-Geschäft (in Sinne als Alternative zum Kauf von der billigen massenproduzierten Kleiderstange) will nur eins: Verkaufen. Verkaufen, soviel es geht.

Nach ein paar weiteren Anläufen gab ich schlussendlich auf. Denn ich war schlichtweg zu arm, für einen selbstgestrickten Pulli.

Ähnliche Artikel

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht.