stadt? land? schluss! – das leben ist schön. egal wo.

 

stadt?

provinzleben. eigentlich habe ich mich während meines großsstadtlebens genau danach gesehnt. mein ganzes studentenleben lang.

die zugepflasterte erde unter meinen füßen, die ich immer wieder versucht habe, wenigstens dadurch zu erfühlen, indem ich barfuss durch die strassen ging. nicht ohne dabei argwöhnische blicke meiner mitmenschen (auch in der eigenen familie) zu ernten.

der zugepflasterte rhein, diese naturgewalt, nicht unweit unserer wohnung – aber eingepfercht in ein flussbett made by humans. pittoresk an das stadtbild drapiert.

der automobilschgewängerte geräuschpegel, dem man stets ausgesetzt war. autos autos und nochmals autos. fahren, bremsen, hupen, nerven. und strassenreinigungsfahrzeuggeräusche morgens um 6 uhr, die mich des öfteren aus dem schlaf rissen – und das war kein angenehmes gefühl.

und diese luft, die stets so schön nach abgasen stank.

wie schön es doch wäre, aufs land zu ziehen und diesem moloch aus asphalt, straßen und abgasen den rücken zu kehren, dachte ich, wie schön, sich in ein häuschen mitten in der pampa zurückziehen zu können, mit einem verwildertem garten, in direkter waldnähe, und einem verkehrsberuhigtem bereich, kind- und katzenfreundlich. wie schön es doch wäre, vom vogelgezwitscher geweckt zu werden, morgens die fenster aufzureißen und erstmal eine große portion frische luft zu schnappen – ohne das verstörende donnern der strassenreinigungsautos.

jahrelang schritt ich durch engen asphaltierten strassen der großstadt, während ich vom leben auf dem l a n d träumte.

 

land?

doch dummerweise ist der mensch ein gewohnheitstier. und mit der zeit änderte sich mein blick auf das phänomen s t a d t. nicht nur altbekannte vorteile ließen das leben in der stadt angenehm erscheinen – kein auto nötig, alles fussläufig erreichbar, bin mittendrin statt nur dabei, kann abends sorgenfrei einen übern durst trinken und heim schwanken, muss ja nicht fahren.

auch das stadtteil selbst, in dem wir lebten, veränderte sich. neue cafés, neue geschäfte, das neustadt-flair änderte sich, und eh ich mich versah, fand ich mich plötzlich in einem blühenden, hipsterigem stadtteil wieder. hier ein eiscafé mit abgefahrenen geschmacksrichtungen (tomate- und kürbiskernöleis gefälligst?), dort ein kartoffel-bistro das nur mit regionalem gemüse kocht. initiativen wie gemeinschaftliches gärtnern in hinterhöfen. zudem begann ich darüber nachzudenken, warum wir gerne dazu neigen, etwas zu verteufeln (stadt), indem wir das andere aufwerten (land) und versuchte es mit einem perspektivwechsel. man kann ja auch die natur in die stadt holen, stichwort „green cities“. man kann einen obst- und gemüsegarten auf balkonien einrichten, stichwort „hängende gärten“. und plötzlich wurde ein leben in der stadt für mich gar nicht mal so undenkbar.

allerdings ist das leben manchmal eine bitch (sorry für die wortwahl, aber alles andere würds nicht gescheit beschreiben), denn kaum ließ ich den gedanken zu, dass ich es mir auch in der stadt gemütlich machen könnte, fand ich mich plötzlich doch auf dem land wieder. nicht ganz freiwillig zog es mich zurück in meine heimatstadt.

und zwar mitten in die pampa. verkehrsberuhigter bereich, garten, ein wald hinterm gartenzaun, vögelgezwitscher en masse. (was das betrifft, so ist es kein wunder – das haus steht mitten im vogelnaturschutzgebiet.) wir frühstücken mit spechten und hasen und rehen und so. genau das wolltest du doch, julia, oder? oder?? nope. denn kaum hier angekommen und realisiert, dass dies hier nun für eine längere zeit mein dauerhafter wohnort sein wird, vermisste ich plötzlich die stadt.

die stadt – mit all ihrem urbanen lärm, mit strassen und gässchen, mit all ihren möglichkeiten, zeit zu verbringen, was anzuschauen, was anzuhören, all die feste und happenings, all die flohmärkte und gemüsemärkte vor der haustür. die qual der wahl, zu welchem der vier(!) bäcker man denn heute geht für seine brötchen (heute muss ich ins auto (!!) steigen und 10-15 minuten (!!!) fahren, um an frische sonntagsbrötchen zu kommen). die stadt – mit all ihren vielen menschen, bekannten gesichtern, denen man trotz großstadt (!!!) immer wieder begegenet. man grüßt sich, smalltalkt und geht wieder seiner wege. die schönen tage am rhein, in dem man zwar nicht baden darf, (da doch sehr menschenfreundlicher fluss), doch allein der blick auf ihn genügte, um eine ehrfurcht vor dieser naturgewalt zu spüren, die er zuweilen uns kleinen menschenwesen zeigte.

 

schluss! das zuhause – das bist du

mein fazit: man kann es mir also nicht recht machen. nicht auf diese art und weise. das ist also die erkenntnis, die ich mir zusammenanalysiert habe.

ein landmädchen wird stadtmädchen (aber nicht ganz), wird wieder landmädchen (aber nicht ganz). jeder dieser orte hat mich verändert. aus jedem ort habe ich etwas mitgenommen. ich kenne die vor- und nachteile vom leben auf dem land und in der stadt. doch auch das stimmt nicht so ganz. denn die vor- und nachteile kenne ich nur aus der perspektive einer frau anfang dreißig, einer geisteswissenschafterlin (mit mehreren berufsabschlüssen, mehreren jobs in prekären arbeitsverhältnissen und einigen im angestelltenverhältnis), einer vollzeitmutter und wochenendehefrau.

erst lebte ich auf dem land – und träumte von der stadt. dann lebte ich in der stadt – und träumte vom land. und bin nun wieder auf dem land – und vermisse die stadt. fraugottnochmal, julia, wird es nicht irgendwann mal anstrengend, immer gerade das zu vermissen, was gerade nicht da ist?

ja, doch, wird es.

aber es war dennoch nicht alles umsonst.

ich habe gemerkt: nicht die äußeren umstände entscheiden, ob du dich jetzt glücklich und angekommen und zuhause fühlst, sondern ganz allein du selbst. deine Einstellung. dein wollen. punkt.

ganz einfach eigentlich.

in meinem jetzigen zustand – der eigentlich unbeschreiblich ist, da mir tatsächlich die richtigen worte fehlen, um zu sagen, wie ich mich derzeit fühle oder wer ich gerade bin – versuche ich nun alles, was auf mich zukommt, positiv zu sehen. ich refraime einfach alles, rücke es in positives licht, suche bei allem, was mir widerfährt, die vorteile.

alles ist für irgendwas gut. auch dieser zustand. irgendwann werden sich die großen fragen klären. hoffentlich. inschallah.

und solange mache ich aus der not eine tugend und finde/rede mir mein leben schön.

ich habe mich an unser altes hobby erinnert, das ich sowieso in unserem leben etablieren wollte – wir wandern.

in meiner familie darf dies eigentlich nicht fehlen. ich mit meiner sehnsucht nach natur, der gatte sportlichen aktivitäten nicht abgeneigt, der sohn von natur aus ein kletterer und jahrelang praktizierender spiderman-double. vor allem der letztere liebt das kraxeln in schwindelerregenden höhen (na gut, das ist ne mutterübertreibung) über alles. er kann an keinem größeren stein, keinem felsen, keiner noch so kleiner stufe vorbeigehen, ohne sie auszuprobieren. übrigens auch schon zu lebzeiten in der stadt. dort geschah es desöfteren, dass während ich barfüssig den asphaltboden massierte, der schlachtruf – „parcours!“ an mein ohr drang – wonach ich ihn augenblicke später von einer (womöglich denkmalgeschützten) altbaufassade oder einem laternenmast herunterziehen durfte.

wir leben inmitten von wunderschönen landschaften. um uns herum – fichtelgebirge, thüringer wald und die fränkische schweiz, direkt vor unserer nase. und diese gegenden auf wanderrouten zu erkunden habe ich mir nun vorgenommen.

ich bin jetzt hier, auf dem land. und auch wenn ich mich zuweilen noch nicht angekommen fühle, mich immer wieder noch die stadtsehnsucht packt, weiß ich, woran es eigentlich liegt: zuhause ist eigentlich kein ort auf einer landkarte. ich bin es. ich muss mich in mir selbst zuhause fühlen. wenn ich mit mir im reinen bin, mit dem, wer ich und wie ich wirklich bin, dann bin ich überall heimisch, überall „zuhause“.

und was die äußeren umstände angeht: nichts ist in stein gemeißelt. alles kann sich noch ändern. die wurzeln sind noch nicht geschlagen.

es ist so einfach, glücklich zu sein. eigentlich.

 

One thought on “stadt? land? schluss! – das leben ist schön. egal wo.

  1. Моя милая девочка! Как хорошо ятебя понимаю.
    Я выросла в большом городе. Большой,- это не пару и не „целых“ 100 тысяч, а почти 4 миллиона жителей. Это круговорот событий, это разнообразие в проведении свободного времени, это множество друзей и огромный выбор всего!
    Когда ты выростаешь в таком городе, то представить себе другую жизнь даже не можешь. Но и оценить её достоинства тоже не можешь.
    Мне повезло. У меня была бабушка в деревне. Да ещё в такой глуши! Там асфальт был на одной-единственной дороге, по которой 1 или 2 раза в день ездил автобус в районный центр.
    Там я классику при свечах читала. Не из романтических соображений, а потому, что там ещё не было электричества.
    В местном клубе можно было сходить на танцы (1 раз в неделю) и раз в 2 недели посмотреть очень трогательный советский социалистический триллер о том, как Вася выполнил пятилетку за 4 года, чтобы его заметила и страстно полюбила Василиса.
    Как ценились местными жителями эти развлечения!
    А ещё раз в году приезжала ярмарка, на которой продавалось мороженное, в котором было больше воды, чем молока, и волшебный вкус которого я помню по сей день. Такое счастье выпадало не каждому городскому ребёнку, привыкшему к сливочному мороженному на палочке и в шоколаде.
    Не каждый городской ребёнок знает, как выглядит ночное небо или пахнет снежная ночь в полнолуние.
    Романтика…
    Но она заканчивается с первыми лучами солнца. Ведь для того, чтобы там выжить, нужно встать ни свет ни заря и целый день пахать не покладая рук, позволяя себе только короткие паузы на нехитрую еду. (И фитнес тебе и диета) Иначе зимой любоваться луной будешь на голодный желудок.
    И вот после длинных каникул (летом -3 месяца, зимой – 2 недели ссылки) возвращаешься в любимый город. И тебя заглатыват город! Уносит тот самый водоворот событий, которого до боли тебе не хватало в деревне.
    И так шли годы.
    Потом у меня появилась семья.
    Мы жыли в огромном городе, потом в меньшем, теперь в деревне. Хотя, трудно называть это деревней, познав деревню в Украине.
    И ты знаешь, что я поняла?
    Я чувствую себя дома там, где моя семья.

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