über das „irgendwann“, das „nie“ und die metamorphOse

irgendwann will ich mal wieder einen modern dance kurs besuchen. und dann noch ein buch schreiben. irgendwann. und ach ja, um die welt reisen. das mache ich irgendwann auch noch.

irgendwann.

irgendwann.

irgendwann.

doch bei aller liebe, wann – argwöhnisch betrachte ich mein spiegelbild und streiche ungeduldig ein graues haar (nicht das erste) aus der stirn, wann kommt denn endlich dieses irgendwann?

denn es ist nun mal so: wann immer ich menschen auf bühnen tanzen sehe, sehne ich mich sofort in die zeit zurück, als ich mich selbst noch selbstbewusst und selbstverständlich tänzerin nannte. wann immer ich bücher lese, dann folge ich nicht nur der story selbst, sondern grüble parallel intensiv über das „wie“ nach: wie wurde die geschichte erzählt? wie der spannungsbogen aufgebaut? wie konnte der/die autor/in die charaktere so geil oder so abartig skizzieren, dass man sich unbedingt/ auf gar keinen fall mit dem protagonisten identifizieren will? und wann immer ich auf blogs stoße, die von sonnenuntergängen, hängematten-romantik und rieselndem sand zwischen den zehen erzählen, geht meine nächste googlesuche automatisch auf flugportale, ziel „fernreise“.

all dies sind dinge, in die ich am liebsten jetzt gleich und sofort hineinstürzen will, wenn… ja wenn was, nicht wäre?

 

ich kann grad nicht, weil … mein ausredenknigge

wie die meisten bin ich ein profi, was die nicht-möglichkeits-ausreden angeht und hab hier die beliebtesten fake-facts aufgelistet, denen ich (und ganz sicher viele von euch auch) anheimfalle:

ausrede „perfekte bedingungen“

genau. etwas passt in meinem leben grad nicht. es müssen erst die absolut perfekten bedingungen her. „erst muss ich eine arbeit haben und genug geld verdienen, erst dann kann ich mich meinen leidenschaften widmen.“ mag sein. das problem allerdings, das ich dabei sehe ist, dass wir dann, wenn wir dann mal arbeiten (nämlich richtig viel) und geld verdienen (unmengen!) abends leider viel zu geschafft und müde sind, um auch noch einen finger zu krümmen. adé du wunderbar geplante leidenschaften-zeit!

ausrede „kinder“

oh ja, das ist auch ein dauerburner unter den ausreden. „ich habe kinder. ich kann grad nicht. ich warte mal ab, bis diese ausm haus sind, dann kann ich mich endlich mir selbst widmen.“ ja, wer sich für kinder entscheidet, muss sehr gut mit seiner zeit haushalten aber dann sind sie irgendwann selbstständig und lassen endlich den rockzipfel los und wir? greifen dann endlich nach unserer fitnesstasche oder unserer verstaubten nähmaschine – und merken ernüchtert, dass uns das bloße anziehen der sportschuhe aus der puste bringt und wir den nähfaden nicht durchs ohr bekommen, weil die sehkraft mit den jahren arg nachgelassen hat.

 

der preis für dieses irgendwann ist hoch

klar gibt es menschen, die es absolut richtig und in ordnung finden, sich erstmal in den hintern zu beißen, zu entsagen und jahrelang sich selbst hintenanzustellen, um diese ominösen „perfekten rahmenbedingungen“ – mein bombensicherer job, mein abbezahltes haus, meine erwachsenen kinder – zu schaffen, bevor sie sich mit einem hobby „belohnen“.

doch dafür bringen wir ein, wie ich finde, sehr großes opfer. denn es liegt in der menschlichen (und in der vieler anderer lebewesen auch) natur zu sterben. jap. mit dem tag unserer geburt, spätestens aber nach dem ersten drittel unserer lebensspanne (wenn man von idealerweise 100 jahren ausgehen dürfte) bauen wir langsam aber sicher ab (die grauen haare kommen nicht von ungefähr!). durch dieses warten auf ominöse perfektion, die eh fast nie eintritt, verlieren wir zeit. wertvolle lebenszeit, die wir mit leben – und zwar so wie wir es für gut und richtig halten – verbringen sollten und nicht mit warten.

 

irgendwann ist „nie“

im letzten jahr habe ich mich sehr lange und intensiv mit solchen gedanken befasst.

die erste erkenntnis: das leben ist viel zu kurz für irgendwann. mit warterei – auf unbefristeten vertrag, auf eine höhere karrierestufe, auf einen besseren arbeitgeber, auf die rente, auf freie kinderzimmer – verschwendest du kostbare lebenszeit. und eh du dich versiehst, bist du beruflich angekommen (vielleicht, oder auch nicht) und könntest endlich deine herzensprojekte angehen – und dann wirst du krank, vom auto überfahren, whatever, und deine eisern zusammengesparten „für die weltreise“-euros fließen in den ausbau eines krankengerechten badezimmers.

und die zweite: dieses „irgendwann“ – es kommt nie. es kommt nicht, wenn du nicht den entschluss fasst, deine traumziele aus dem traumland heraus- und in die reale welt hineinzutransformieren.

daher habe ich den entschluss gefasst – ich warte nicht mehr, nein, ich verschwende keinen einzigen meinen (!) tag mehr mit warten auf irgendwann und fange jetzt sofort an, meine träume zu verwirklichen und zu leben. in kleine realistische einheiten zerteilt, schreite ich jeden tag ein wenig darauf zu. denn das ganze grübeln der letzten monate hat mich erkennen lassen – man kann vieles im leben realisieren, auch während/trotz arbeit und kindererziehung. es ist nicht immer einfach und dauert auch seine zeit, aber – und davon bin ich mittlerweile felsenfest überzeugt – mit der richtigen einstellung ist alles möglich.

das leben ist einfach viel zu kurz und zu viel wertvoll für „irgendwann“.

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