vom lesetisch ins blog: über fiese kerle und eine feministin

sie stapeln sich auf dem nachttisch neben dem bett, auf den fensterbrettern, neben und auf dem sofa – denn in den schränken gibt es kaum noch platz für ihresgleichen: die rede ist von unmengen an büchern in meiner wohnung. längst werden sie nicht nur gelesen, sondern haben zudem die funktion von dekoration, beistelltisch und arbeitgeber mit übernommen.

welche bücher es sind, die das gemüt er- und aufregen, die wortexotin aus der bahn werfen, sie empören oder sie verzücken – von nun an werde ich euch darüber informieren *fg

beginnen will ich mit „fiese kerle. unterwegs mit aufreißern“ von clarisse thorn.

 

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Fies, fieser Pick-Up-Artist?

Spätestens seit dem Buch „Die perfekte Masche“ von Neil Strauss weiß man: nicht immer ist das Talent, mit Frauen zu flirten, angeboren. So manche Masche hat man(n) der Pick Up Artistry zu verdanken – einer Szene, die Männern die Kunst des Verführens lehrt. In ihrem Buch „Fiese Kerle. Unterwegs mit Aufreißern“ versucht die Feministin und Autorin Clarisse Thorn dem Geheimnis der professionellen Casanovas auf die Spur zu kommen.

Die Brünette an der Theke ist eine klare HB7. Ein gutes Target, um das Game zu starten, auch wenn sie noch keine IOIs gesendet hat. Liegt wohl an ihrem Bitch Shield.“ Ist frau Zeugin eines solchen Gesprächs unter Männern geworden, so ist ihr gewiss: Hier sind Pick Up-Artists (PUA) am Werk. So nennen sich heutzutage die Verführungsprofis – und solche, die es werden wollen.

Pick up“ bedeutet „aufsammeln“ – und die Männer, die sich so bezeichnen, sind tatsächlich eine Art Sammler – sie sammeln Frauen. Obwohl nicht ganz neu, geriet diese Szene, in der Männer das Flirten mit Erfolg lernen, so richtig wahrgenommen wurde sie erst seit dem Erscheinen des Buches „Die Perfekte Masche“ von Neil Strauss, dem bekannten Flirtcoach und selbst praktizierendem PUA-Guru.

Fasziniert, zugleich aber voller ambivalenter Gefühle, begibt sich die amerikanische Feministin und Autorin Clarisse Thorn auf die Reise in diese von Machos und Don Juans bevölkerte Männerwelt. Und öffnet somit eine Büchse der Pandorra: Denn hinter den raffinierten Flirttechniken und Anmachtaktiken verbirgt sich eine ethisch fragwürdige und nicht selten zutiefst frauenverachtende und sexistische Philosophie. Die Frauen sind in den Kreisen selten Individuen, meist tragen sie Bezeichnungen à la „Hot Bitches“, „Sex Buddys“ oder „Warzenschweine“. Oder sie haben Zahlen – eine HB 7 ist eine „recht attraktive Hot Bitch“.

Auch Thorn legt sich eine PUA-Typologie zurecht. Da gibt es die „Analytiker“, die versuchen, mit Hilfe der PUA-Community mehr über Geschlechteridentität und zugewiesene Rollen zu erfahren. Die „Hedonisten“, die nur auf Spass aus sind. Die „Anführer“, die in der Community das Sagen haben. Und die „Darth Vaders“ – die sind, so Thorn, regelrechte Frauenhasser, die in allen Frauen „geistlose Huren“ sehen, „bis sie das Gegenteil beweisen“.

Obwohl der Titel des Buches, und auch die lockere Schreibweise, einen amüsanten Frauenroman verspricht – der Inhalt tut es nicht.

Aus feministischer Sicht versucht Thorn, das Phänomen zu erforschen und stellt sich die Frage: Ist Pick Up Artistry eine „Selbsthilfegruppe für Sozialphobiker „oder sind sie „Soldaten einer Vergewaltigungskultur“?

Entgegen anderen Feministinnen bleibt Thorn in ihrem Fazit ambivalent. Und das ist zu begrüßen, ermöglicht sie auf diese Weise dem Leser, sich ein eigenes Urteil zu bilden. In einem ist sie sich jedoch sicher: Die Masche mit der Anmachmasche, ist wohl ein Ausdruck einer offensichtlich verunsicherten Männerwelt.

 

Quellen:

Beitragsbild

Buchcover

 

 

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