Veganer Döner To Go zum Sitzen bleiben: Möhren Milieu wird sesshaft

Die Neustadter Gastronomielandschaft hat Zuwachs bekommen: Nach einem Jahr Strassenverkauf von veganem Döner To Go & Co darf der vegane Foodtruck von „Möhren Milieu“ nun auch mal in der Garage stehen bleiben: Am 31. Mai eröffnen Daniel und sein Team in der Mainzer Neustadt das „Möhren Milieu Eco-Café“ in der Adam-Karillon-Straße. „Sesshaft werden, das war unser nächster Schritt“, verrät der Geschäftshaber Daniel. „Wir wollen einfach öfter verfügbar sein, und mehr Alternativen bieten.“ Das mit der „mehr Alternativen“ haben sie geschafft: Von Smoothies, über Salate, vegane Gerichte und Rohkostspeisen bis hin zu Kuchen und Snacks ist alles dabei, was ein (nicht nur veganes) Gaumen erfreut. Die Lebensmittel kommen, da bleiben sie ihrem Konzept treu, aus kontrolliert ökologischen Anbau. Nachhaltigkeit spiegelt sich aber nicht nur in der Speisekarte wieder: Für das Interieur wurden Paletten upcycelt, ein eigenes Mehrweg-System soll Abfall reduzieren – und ein Teil des Umsatzes kommt regionalen ökologischen Projekten zugute. „Aber wir werden weiterhin mobil bleiben“ versichert Daniel.

Das große „Second Hand“ Sterben

Für den Ladenbesitzer des Mainzer Trödelladens „Brockenhaus“ Sam Isa konnte das neue Jahr nicht schlechter beginnen: Auf Anweisung der Stadt Mainz muss er seinen Laden in der Leibnizstraße schließen.

Die Begründung: Die Räume waren niemals als Laden zugelassen, sondern durften lediglich als Lagerräume genutzt werden. „Bei einem Verkaufsladen müssen ganz andere Anforderungen erfüllt sein, als bei einem Lagerraum“ so Peter Hanwahr, der Pressesprecher der Stadt Mainz. So müssen etwa genügend Rettungs- und Fluchtwege vorhanden sein, was hier nicht der Fall sei, so Hanwahr.

„Sie haben mich von heute auf morgen meiner Lebensgrundlage beraubt“ sagt derweil Sam Isa resigniert. Erst vor ein paar Jahren übernahm er den altbekannten Second-Hand-Laden für Möbel & Co, der immerhin seit 40 Jahren das Mainzer Neustadtbild prägt.

Nun heißt es erstmal abwarten. Der Vermieter müsste die Nutzungsänderung beantragen und die vorgeschriebenen Umbauten vornehmen. Erst dann könne das „Brockenhaus“ als Laden weitergeführt werden. „Und wenn nicht, dann muss ich wohl zum Arbeitsamt. Dann sage ich: ich bin der neue. Die Stadt Mainz schickt mich.“

Passive Plastikbekämpfung im Meer

Das Problem mit dem Plastikmüll in den Meeren ist nicht gerade neu, dennoch mangelt es an effizienten Lösungen, die Verschmutzung aufzuhalten. Während die Verantwortlichen in Politik und Wirtschaft über Kosten solcher Reinigungsmethoden debattieren, startete der 19-jährige Boyan Slat vor zwei Jahren das Projekt „The Ocean Clean Up“. Seine Idee der „passiven Sammlung“ ist so einfach wie raffiniert: Auf dem Wasser schwebende Auffangbecken sollen den schwimmenden Plastikmüll sammeln. Warum sollen wir aufwendig nach Müll fischen, wenn dieser sich dank Wind und Strömungen von allein bewegt“, fragte sich der junge Erfinder. An den richtigen Stellen in den Ozeanen platziert, müsste man nur abwarten, bis der Plastik dorthin angeschwemmt wird. Dieser müsste lediglich dort abgeholt und etwa dem Recycling-Kreislauf zugeführt werden. Kritische Stimmen befürchten, solche Projekte könnten falsche Signale aussenden und die Menschen dazu animieren, nicht die Wurzel des Übels, nämlich unseren achtlosen Umgang mit Plastikprodukten, zu bekämpfen, sondern „nur“ die Folgen. Dennoch ist auch dies notwendig, denn schon jetzt befinden sich laut Schätzungen des Umweltamts in einem Quadratmeter Wasser an die 13.000 Plastikmüllpartikel. Das Projekt des holländischen Studenten stößt dennoch auf offene Ohren, insbesondere viele Wissenschaftler und Ingenieure zählen zu Boyan Slats Unterstützern. Verläuft die Pilotphase, die in diesem Jahr startete, erfolgreich, so könnte man in den nächsten 10 Jahren knapp die Hälfte des Plastikmülls aus den Meeren fischen.

Ernten was man sät: Schulprojekt zum Thema Bewusster Umgang mit Lebensmitteln

In einem Schulprojekt „ABC- Lebensmittel-Wertschätzung“ will der Küchenmeister und Gründer der Organisation FoodFighters Michael Schieferstein den Kleinen und Kleinsten den bewussten und nachhaltigen Umgang mit Lebensmitteln beibringen. Letztes Jahr ist aus der Theorie endlich Praxis geworden – und das Schulprojekt an der Goethe-Grundschule in Mainz für das Schuljahr 2013/14 angelaufen.

„Nur über die frühzeitige Vermittlung von Wissen über die Wichtigkeit vom richtigen Umgang mit Bio Lebensmitteln und den Wert einer gesunden Ernährung kann ein nachhaltiges Umdenken im Verbraucherverhalten, gerade bei unseren Kleinsten, erreicht werden“ schreibt er auf seiner Homepage.

Lebensmittelverschwendung in europäischen Ländern ist gravierend. So landet jedes Jahr von vierzig Tausend geschlachteten Schweinen rund die Hälfte wieder auf dem Müll, berichtet Schieferstein.

Das Ziel dieses Schulprojektes ist es, eine „neue Generation von Konsumenten zu erziehen“ und „um das Thema Lebensmittelverschwendung an der Wurzel zu packen.“

 

Gelebte Utopie: Der Mitmachkongress „utopival“

 

Vom 8.-12. September 2014 findet in Wiesbaden „utopival“ ein experimentelles Mitmachkongress statt. In theoretischen und praktischen Workshops gehen die Teilnehmer Frage nach: „Wie stellen wir uns eine Gesellschaft von morgen vor?“. Solidarisch, pazifistisch, ökologisch und geldfrei soll sie sein. Und so auch das „utopival“. Dahinter stecken Pia Damm und Tobi Rosswog. Bereits im September 2013 riefen die beiden „living utopia“ ins Leben, ein Projekt- und Aktionsnetzwerk, in dem sie Workshops und Vorträge zum geldfreien Leben und solidarischem Miteinander halten oder Kleidertauschparties und vegane Mitmach-Brunches veranstalten.

Auch das „utopival“ bietet Raum für Diskussionen zu Themen Wirtschaft, Bildung, Ernährung oder Soziales Miteinander von morgen. Neben Vorträgen wie „Bildung ohne Schule?“, „Foodsharing“ oder „Permakultur“ soll ein buntes Rahmenprogramm – gemeinsame Kochaktionen, ein DIY-Zelt sowie eine offene Bühne – Raum für kreatives und solidarisches Miteinander schaffen.

Uns erreichen Stimmen von großartigen Denker_innen unserer Zeit, wie etwa der Postwachstumsökonom Dr. Niko Paech oder Silke Helfrich, die das „utopival“ und die Idee „living utopias“ großartig finden,“ erzählt die Organisatorin Pia stolz. Dass das „utopival“ den Nerv der Zeit trifft und auf Interesse stößt, das bekommt das Utopival-Team täglich zu spüren: „Trotz des Anmeldestopps für die Workshops“, berichtet Tobi „reißt die Anmeldewelle nicht ab.“

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Julia@ethnosphaere.de